Hügel, Streetart und viel Farbe: Willkommen in Valparaiso

‘Problema, no functiona, Cargo-Ticket, embalar’: Mit diesen und ähnlichen Worten werden wir am frühen Morgen am Busbahnhof in Bariloche begrüsst. Der gestern versprochene Einpackservice klappt nun leider doch nicht und damit unsere Velos überhaupt mitgenommen werden, gibt es nun eine Hauruckaktion. In den Abstellkammern des Busbahnhofes sind dann doch plötzlich zwei Velokartons vorhanden und den schnellen Händen Christophs sei Dank sind beide Velos innerhalb von weniger als einer halben Stunde wieder so ziemlich komplett auseindander geschraubt. Was vor dem Abflug einen halben Tag in Anspruch nahm, ist auch deutlich schneller möglich. Kurz später sinken wir in die komfortablen Sitze und lassen uns von irgendwelchen Soaps am Fernsehbildschirm direkt über unseren Köpfen berieseln, unter uns liegen die Kartonschachteln im Gepäckraum vergraben unter x weiteren Gepäckstücken. Wir vertrauen jetzt einfach mal unseren robusten Stahlrahmen.

So kurven wir schon bald der Grenze entgegen. Hier kennen wir das Spielchen langsam: Alles Gepäck raus, schön in eine Reihe stellen und dann wird der Hund drüber geschickt. Und wie könnte es auch anders sein, als dass er bei einer unserer Saccochen zu bellen anfängt. Kurze Verunsicherung, etwas Herzklopfen: Haben wir doch noch ein verbotenes Frischprodukt dabei? Nein, alles gut! Es ist ihm bloss unser Z’Morge-Sack in die Nase gestiegen. Und wir sind zum vierten Mal in Chile eingereist. 

Ein kurzer Spaziergang durch Osorno – welches uns mit einem riesigen Gewusel an Samstagsshoppern etwas überrumpelt – erlaubt unseren Beinen etwas Bewegung, bevor wir sie gleich in den nächsten Nachtbus quetschen. Natürlich gibts auch hier von den Chauffeuren zuerst etwas Aufruhr wegen unserem vielen Gepäck, etwas Geraune, doch mit unserem Cargo-Billett ist die Sache schnell erledigt und unsere Kisten werden, zwar nicht gerade liebevoll, aber immerhin eingeladen. 

Im Morgengrauen erreichen wir die riesigen Häuserblocks, die grossen Autobahnumfahrungen und Shoppingmalls von Santiago. Die Landschaft hat sich über Nacht komplett geändert: Wir staunen über die Trockenheit und das Grossstadt-Getreibe – die Kontraste zu Patagonien fallen uns gerade sehr auf und überrumpeln uns etwas! So lassen wir Santiago hinter uns und fahren gleich noch weiter an den Pazifik in die doch etwas kleinere Hafenstadt Valparaiso.

Und zagg ist alles wieder zusammen geschraubt.

Und zagg ist alles wieder zusammen geschraubt.

Von Ruhe kann nicht die Rede sein, als wir den Busbahnhof verlassen und mitten im grossen Markt landen. Die Hosteltüre ist regelrecht hinter einem Tomatenberg versteckt und wir fallen mit unseren beladenen Velos mitten drin kaum auf. Im Hostel werden wir mit einem frischen Erdbeermilchshake begrüsst und unsere Velos auf der kleinen Terrasse vom kleinen Hostel-Kaninchen willkommen geheissen. Die tierischen Bekanntschaften gehen in die nächste Runde. 

Blick auf die Dachterrasse und vor die Haustüre

Blick auf die Dachterrasse und vor die Haustüre

Kurz später lassen wir uns durch das bunte Markgeschehen treiben: Mit Lautsprechern werden vor den Metzgereien die Waren angepriesen, Gemüsepreise durch die Menge geschrien und Früchte werden in Pyramidenform aufgetürmt. Kurze Zeit kommt es uns vor wie in einem anderem Land. So klein, so ruhig, so verschlafen, so überschaulich waren die meisten patagonischen Dörfer und ‘Käffer’. 

Doch lange dauert es nicht und wir fühlen uns im städtischen Gewusel ganz wohl. Die Stadt lässt sich wunderbar zu Fuss erkunden oder sonst stehen die in Luzern ausrangierten Trolleybusse zur Verfügung. Ein weiteres Transportmittel, das wir auch schätzen lernen, sind die Ascensores – steile Standseilbähnchen, welche den Aufstieg auf einen der vielen Hügel erleichtern. 

...und plötzlich kleben auf den Bustüren Luzerner Passpartoutkleber!

…und plötzlich kleben auf den Bustüren Luzerner Passpartoutkleber!

Die Stadt ist zweigeteilt, in die eben genannten Hügel und die flache Hafengegend. Diese Zweiteilung widerspiegelt sich auch im Charakter; während ‘unten’ neben den Einkaufsstrassen und Marktplätzen der Geschäftsteil seinen Platz findet, sind die Hügel Wohn- und Touristengebiet. Obwohl es da die Hügel sehr zu unterscheiden gibt. Auf einem werden wir von einem Polizisten hingewiesen gleich wieder runter zu gehen – aus angeblichen Sicherheitsgründen. Zwei sogenannte Cerros gehören zum Unesco Weltkulturerbe: ihre farbigen Gassen laden sehr zum Herumschlendern ein und die vielen Restaurants und Cafés zum Verweilen. 

Immer wieder entdecken wir farbige Häuser...

Immer wieder entdecken wir farbige Häuser…

Und noch weitere sind Wohnhügel mit grandioser Aussicht auf die Bucht und den Pazifik.

...und wunderbare Aussichten.

…und wunderbare Aussichten.

Wir geniessen das Uns-Treiben-Lassen, gehen rauf und runter, beobachten Kontainerschiffe und Seelöwen, lassen uns kulinarisch verwöhnen und staunen über die unendlich vielen Streetart-Kunstwerke.  

Blick aus der Hafenbar, wo wir zufällig rein- und nach zwei Pisco Sour wieder rausgestolpert sind.

Blick aus der Hafenbar, wo wir zufällig rein- und nach zwei Pisco Sour wieder rausgestolpert sind.

Immer wieder entdecken wir neue Graffitis und Wandgemälde, von ganz klein bis zu ganzen Häuserfassaden ausfüllend. Das durch die Gassen Schlendern ist jedes Mal wie ein grosser Museumsspatziergang – nur noch besser!  

An Fotosujets mangelt es auf keinen Fall!

An Fotosujets mangelt es auf keinen Fall!

Nach vier Tagen Sonne, Meerluft und Stadtgenuss zieht es uns nun weiter in Richtung des ersten Andenpasses.

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