…dieses Sprichwort beschreibt bestens unsere letzten Tage. Seit der Ankunft in Villa O’Higgins läuft alles noch etwas langsamer, gemütlicher, durchaus tranquillo! Und wehe man will sich dem gegenüber stellen.
Wir verbringen zwei äussert gemütliche Tage in O’Higgins: das kleine Dörfchen hat mit seiner verschlafenen Stimmung sehr seinen Reiz. Wir schlendern durch die drei, vier Strassen: überall sind die Leute irgendetwas am Werken, am Häuser erweitern, am Holz hacken, am Fleisch trocknen oder einfach am Schwatzen. Im Radio wird nach Mitfahrgelegenheiten ausgerufen, während Hühner und Truthahne über die Strasse stolzieren.
Christoph rettet in mehreren Stunden Fernandos Fahrrad – die Erfahrungen mit den Bahnhofsvelos in der Velostation seien Dank!
Ringsherum wilde Landschaften soweit das Auge reicht. Auf einem kleinen Weg gelangen wir durch dichten grünen Urwald hoch über die Dächer des Dorfes. Die Aussicht ist spektakulär: Flüsse, die sich weit mäandrierend ihren Weg in den leuchtendblauen See suchen, bewaldete Hügel, Schneeberge und sonst nichts.
Am Abend werden wir abermals von unserer Hostel-Mamma bekocht – wir füllen definitiv alle unsere Speicher, vor allem die Fleischigen – und erfahren dazu von den beiden Argentinier viele Insightinfo von ihrem Land. Wir sind erstaunt und erschüttert, wie es um das chilenische Nachbarland steht.
Überhaupt ergeben sich immer mehr Gespräche mit allerlei Leuten: unser Spanischwortschatz wächst stetig. Im kleinen Café erfahren wir bei strömendem Regen jenste Infos über den komplexen Strassenbau nach O’Higgins vom Bauingenieur persönlich und über das noch schwierigere Vorhaben einer Strassenverbindung nach Argentinien (dies jedoch eher aus politischen Gründen).
Aufgewärmt von einer Bio-Sauna, gestärkt mit vielen leckeren Essen und mit einer herzlichen Umarmung verlassen wir Villa O’Higgins bei leichtem Nieselregen. Vor uns liegen über 1000km auf der Carretera Austral: die ersten davon enttäuschen uns auf keinen Fall.
Die Strasse schlängelt sich durch dichten Wald, eröffnet plötzlich wieder den Blick auf die umliegenden Berge, lässt uns an Seen, Flüssen und Wasserfällen vorbei fahren und geht immer schön rauf und runter. Die vielen Farben der Vegetation lassen das graue Wetter deutlich heller erscheinen. Doch als wir nach gut fünfzig Kilometer die uns bekannte Schutzhütte finden, sagen wir auch nicht Nein.
Ein Feuer und eine grosse Portion Pasta wärmen uns. In der Nacht rüttelt der Wind ganz schön kräftig am Blechdach. Umso erfreuter sind wir, als der Regen am nächsten Morgen etwas nachlässt und wir die nächsten beiden Pässe halbwegs trocken passieren können.
Die Landschaft wird immer karger: Wir blicken in tiefe Schluchten, tosende Wildbäche und werden auf dem Pass sogar mit ein paar Schneeflocken begrüsst.
Doch pünktlich um ein Uhr fahren wir in Rio Bravo am Hafen ein; die nächsten Kilometer tuckern wir mit einer Fähre über den Fjord.
Auf der anderen Seite kommt wieder die Sache mit dem Sprichwort oder genauer jene mit Corinne’s Kopf ins Spiel. Wegen dem
noch schlechteren Wetterbericht wollen wirs noch ins nächste Dörfchen schaffen; nochmals 50km und einen weiteren Pass (dessen Höhe und Steile wir zum Glück im Vornherein nicht kannten). Der Kopf siegt über den Bauch (und ist eine Lehre für die Velofahrerin unter uns). Unsere Beine strampeln uns brav weiter. Wir wissen nun, was möglich ist, wenns sein muss (doch eben, eigentlich haben wir ja Zeit)! So kommen wir kurz vor dem Eindunkeln und ziemlich müde in Caleta Tortel an.
Das ursprüngliche Fischerdorf besteht aus Holzhäusern, die teilweise auf Pfählen im Meer stehen und mit einer Vielzahl an Holzstegen verbunden sind. Wir schlendern über die Stege und geniessen die Ausblicke in die Fjordlandschaft. Der Weg hinauf auf den Dorfhügel lohnt sich auch wieder: die Mündung des grössten chilenischen Flusses (Rio Baker) sieht aus der Vogelperspektive gleich noch spektakulärer aus.
Nach knapp zwei Tagen wissen wir, wo wir welche Treppe nehmen müssen, in welchem Lädeli wir was finden und wie wir unser Zimmer dank Gas- und Elektroofen schön warm kriegen.
Die nächste Etappe nehmen wir bei schönstem Wetter in Angriff. Zuerst rollen wir dem Rio Baker entlang, rattern durch goldig leuchtende Sumpflandschaften, kommen in saftig grüne Wälder und müssen immer wieder die eine oder andere Kuh von der Fahrbahn scheuchen.
Jede neue Kurve eröffnet uns fabelhafte Ausblicke auf die hohen, vergletscherten Gipfel.
Unser Nachtlager schlagen wir am Ufer eines Sees auf. Nach einer frischen Nacht werden wir am
Morgen von einer fast märchenhaften Nebelstimmung überrascht: Die Natur hat wirklich so einiges zu bieten. Und auf den folgenden Steigungen bekommen auch wir schnell wieder warm. Die Strasse steigt auf ein kleines Hochplateau. Die Versuchung ist gross aufgrund der Aussichten alle 100m anzuhalten.
Wir tun es immer wieder mal und bestaunen die einsame Landschaft. Ganz selten begegnet uns ein Auto – den ganzen Tag sind es ca. zwanzig – und noch seltener kommen wir an einem Haus vorbei. Wir geniessen die Einsamkeit, das gemütliche Unterwegs Sein und merken kaum, dass wir doch wieder einige Höhenmeter und Kilometer gemacht haben, als wir im orangen Abendlicht, von den Polizisten am Dorfeingang begrüsst in Cochrane einfahren.





























Tolle Bilder und interessante Berichte – mit grossem Vergnügen verfolgen wir eure Reise. Nicht nur für euch ist sie strapaziös – den Bildern nach zu schliessen werden eure bikes ebenfalls tüchtig gefordert… Weiterhin gute Fahrt!
Alles Liebe ma und pa
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